Der Mann im weißen Kittel

Franz Eduard Friedrich Görtitz war ein ruhiger, menschenfreundlicher Zeitgenosse – und doch geradezu besessen davon, alles, was er sah, mit Pinsel oder Zeichenstift festzuhalten. So mancher Zeitzeuge erinnert sich: eine stattliche Erscheinung, zumeist im langen weißen Malerkittel und immer auf der Suche nach neuen Motiven. Oft bleibt er stehen, kneift die Augen zusammen, fixiert die Landschaft und grenzt mit den Händen einen imaginären Bildausschnitt ein.

Und dann sitzt er auch schon auf seinem kleinen Dreibeinhocker, vor sich die Staffelei, Leinwand und den Ölfarben-Kasten. Selbst die seltenen Tage der Sommerfrische nutzt er zum Malen, immer draußen unter freiem Himmel und in steter Furcht, ein plötzlicher Regenguss könnte ihn um die Früchte seiner Arbeit bringen.

Ist es gerade nicht die Arbeit an einem Ölbild, sieht man Görtitz zeitlebens mit Papier, Bleistift oder
Zeichenkohle in der Hand. Er kann nicht schwimmen, aber er studiert unablässig Körper und Bewegungen der Badenden. Er hat kein Geld für ein Stück Kuchen, aber er charakterisiert mit wenigen Strichen die Gäste im Café Merkur.

Dabei ist er niemals Kritiker, vielmehr ein charmanter Beobachter – als Soldat im Feld, beim Künstlerfasching, in der Natur oder in der eigenen kleinen Familie. Papier war immer kostbar und so wurde jedes Schnipsel für gekonnt hingeworfene Skizzen genutzt. Von vorne und von hinten.