
Pfingsten 1944 zogen zunächst Frau und Tochter in das Bauerndorf am Südende des Starnberger Sees. Die erste Bleibe fanden die mittellosen Flüchtlinge in einem Bootshaus. Während die Tochter eine Anstellung im Forstamt Starnberg fand, versuchte ihre Mutter verzweifelt, Baumaterial aufzutreiben.
Görtitz selbst konnte nicht helfen, er war weiterhin dienstverpflichtet im Hunderte von Kilometeren entfernten Zerbst. Anfang 1945 wurde die Stadt zerstört, die Verbindung zur Familie riss ab. Der Künstler beschloss, sich auf eigene Faust nach Westen durchzuschlagen. Wochen später, nach einer wahrhaft abenteuerlichen Odyssee, traf er tatsächlich in Seeshaupt ein.

Seeshaupt von Seeseiten aus (nicht datiert) 38 x 55 cm, Öl/Leinwand
Unter größten Entbehrungen und stetiger Geldnot begann der Bau eines bescheidenen Häuschens im Seeshaupter Ortsteil Ulrichsau. Im August 1948 war gerade einmal der Keller bezugsfertig – ohne fließendes Wasser, Licht oder Toilette. Dennoch wurde das Eigenheim samt seinem liebevoll angelegten Garten zu einer neuen Heimat, in der sich Friedrich Görtitz in Ruhe seinem künstlerischen Schaffen widmen konnte. Unvergesslich der intensive Geruch nach Ölfarben, der das kleine Haus mit dem Atelier unter dem Dach erfüllte. Hier arbeitete Görtitz weitere Jahrzehnte an einem Lebenswerk, das insgesamt mehr als tausend Öl- und Temperabilder, Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen zählt.
Beschauliches Landleben in der Ulrichsau


Die Anfänge waren mühsam. Und doch wurde Seeshaupt schnell zur zweiten Heimat des Künstlers. Fast 40 Jahre lebte Görtitz im Bayerischen Oberland. Es war die Landschaft am Starnberger See, die eine große Anziehungskraft auf Görtitz ausübte. In der späteren Phase seines Schaffens entstanden hier zahlreiche Ölbilder, Aquarelle und Radierungen.

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