Radierung

Bei der Radierung wird zuerst eine Kupfer- oder Zinkplatte mit einer säurefesten Grundierung beschichtet. Auf diese überträgt der Künstler eine Bleistiftzeichnung des Motivs, das er anschließend mit verschiedenen Radierwerkzeugen in die Lackschicht einritzt. Im nächsten Schritt wird die Platte in ein Bad mit Salpetersäure oder Eisenchlorid getaucht. Die Säure ätzt das durch die Zeichnung freigelegte Metall und vertieft diese in der Platte. Sollen Linien unterschiedlicher Tiefe entstehen, wird nach dem ersten Ätzbad weiter an der Platte gearbeitet. Görtitz radierte zumeist einen kräftigeren Vordergrund, ätzte die Platte, arbeitete dann am Mittelgrund und zuletzt am zarteren Hintergrund. Schließlich wird das fertige Sujet von der geätzten und in den Vertiefungen mit Druckerschwärze versehenen Platte auf der Tiefdruckpresse gedruckt.

Im Jahr 1919 beginnt Friedrich Görtitz ein Studium an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Zu den Schwerpunkten seiner Ausbildung zählt die Meisterklasse für Radierung beim seinerzeit sehr bekannten Professor Alois Kolb. Görtitz zählt zu den Besten – künstlerisch und handwerklich. Leidenschaftlich experimentiert er mit allen Techniken der Radierkunst, von der Weichgrundätzung über die Kaltnadel bis zum Aquatintaverfahren. Auch die besonderen Fähigkeiten zum Druck von Kupfer-
oder Zinkplatten auf der Tiefdruckpresse erlernt der Künstler bei Prof. Kolb. Übrigens so überzeugend, dass er sich ein Zubrot mit Auftragsarbeiten für seinen
Lehrmeister verdient. Erhalten geblieben ist einer der ersten Drucke überhaupt aus dieser Zeit. 1919 porträtiert Görtitz seinen Freund und Studienkollegen Alfred Frank.

Niemand konnte damals ahnen, dass Görtitz viele Jahre später, von den ausgehenden 30er bis in die 50er Jahre hinein, weit mehr als 150 Städtegraphiken radieren würde. Arbeiten, die in Zeiten wirtschaftlicher Not oft die einzige verlässliche Einnahmequelle waren.

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