Von Otto Dix bis Karl Walther: die Künstler-Freunde

Die einen sind bekannt, ja berühmt. Von anderen existiert nicht mal ein brauchbares Foto. Sechs Künstler – Otto Dix, Pol Cassel, Arthur Pöhlandt, Erich Ohser (E. O. Plauen), Karl Walther und Eduard Overhoff – geboren im ausgehenden 19. Jahrhundert oder kurz nach der vorvergangenen Jahrhundertwende. Sechs Lebensläufe, die ganz unterschiedlich verliefen und doch so manches gemeinsam haben. Dazu gehören auch die Begegnungen mit dem 1890 geborenen Friedrich Görtitz.

1913 portraitierte Dix seinen Freund Friedrich Görtitz.

In einer Radierung hielt Görtitz 1923 den Freund und Kollegen fest

In einer Radierung nach der Natur hielt Görtitz 1923 den Freund und Kollegen Pol Cassel fest.

An der Königlichen Gewerbeschule in Dresden, als Soldaten im I. Weltkrieg oder als Malerkollegen in der Weimarer Zeit, es entstanden Freundschaften zwischen Görtitz und jedem der sechs Künstler. Sie waren geprägt von gegenseitiger Achtung und Inspiration, aber auch von unterschiedlichen Auffassungen und Konkurrenz. Ein leichtes Leben hatte keiner von ihnen, ein tragisches Ende gleich mehrere.

Widmung von Erich Ohser für Familie Görtitz
Karrikatur: Dienst am Volk, 1931

E. O. Plauen: die Initialen und der Name seiner Heimatstadt wurden ab 1934 zu Ohsers Pseudonym.

1935 entstand dieses großformatige Ölbild von Görtitz

Karl Walther und Friedrich Görtitz portraitierten sich gegenseitig. 1935 entstand dieses großformatige Ölbild von Görtitz.

Maler und Modell, 1928, Öl auf Leinwand

Eduard Overhoff, Maler und Modell (um 1928) 58 x 47 cm, Öl/Lwd. Kunstbesitz der Stadt Lippstadt

Das Künstlerhaus am Nikischplatz, Leipzig

Wohnung und Atelier für zahlreiche Leipziger Künstler: Das Künstlerhaus am Nikischplatz

Otto Dix

1891 – 1969
1927 wurde Dix Professor an der Akademie in Dresden. 14 Jahre zuvor waren er und Friedrich Görtitz Freunde und Studienkollegen an der Königlichen Kunstgewerbeschule. Nur 6 Jahre danach betrieben die Nazis seine Entlassung.

Ausgehend vom Expressionismus wurde Dix zu einem Wegbereiter der neuen Sachlichkeit. Aufsehen erregte er nicht zuletzt mit seinen Kriegsbildern, deren Realismus auch das Abstoßende zeigt. Das Spätwerk weist in eine andere Richtung, eine oft durch altmeisterliche Vorbilder geprägte Neoromantik.

Pol Cassel 1892 - 1945

Pol Cassel

1892 – 1945
Neben Dix lernte Görtitz auch den nahezu gleichaltrigen Paul (später Pol) Cassel an der Dresdener Kunstgewerbeschule kennen. Im I. Weltkrieg dienten Cassel und Görtitz in Frankreich, nach dem Krieg trennten sich die Wege.

Die NS-Diktatur beendete 1933 Cassels Karriere, seine Kunst galt als entartet. 1944 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und verstarb ein Jahr später in russischer Kriegsgefangenschaft. Kunsthistorisch ist Pol Cassel der Verschollenen Generation und dem Expressiven Realismus zuzurechnen.

Arthur Pöhlandt 1900 - 1940

Arthur Pöhlandt

1900 – 1940
Im Jahr 1930 wurde ein Selbstportrait Pöhlandts mit dem Sächsischen Staatspreis des Ministeriums des Inneren und 1931 mit dem Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet. Doch über den Künstler selbst weiß man wenig, selbst die Lebensdaten waren lange Zeit umstritten.

Mit Friedrich Görtitz verband ihn eine enge Freundschaft durch die gemeinsame Zeit im Leipziger Künstlerhaus. Die zweite Hälfte der 30er Jahre war jedoch geprägt von Depressionen, ständiger Geldnot sowie Konflikten mit dem politischen System. Im April 1940 schied Arthur Pöhlandt im Keller des Künstlerhauses freiwillig aus dem Leben.

Erich Ohser 1903 - 1944

Erich Ohser
(E. O. Plauen)

1903 – 1944
Zeitgleich mit Görtitz studierte Ohser an der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Schon kurz darauf wurde er bekannt – als Buchillustrator u. a. für den befreundeten Erich Kästner und als herausragender Karikaturist. Die Machtübernahme der NSDAP bedeutete jedoch das Aus für den politischen Zeichner Ohser.

Doch noch einmal hat er großen Erfolg: mit seinen Vater und Sohn Geschichten wird Erich Ohser zum ersten „Comic“-Zeichner in Deutschland. Publizieren durfte er nur unter seinem Pseudonym E. O. Plauen. Weihnachten 1935 schenkte er Familie Görtitz eine persönlich gewidmete Buchausgabe der beliebten Bildergeschichten („vom Vater von Vater und Sohn“). Sein Widerstand gegen das NS-Regime hielt an, er wird denunziert und verhaftet. Bevor es zum Prozess am berüchtigten Volksgerichtshof kommt, erhängte sich Erich Ohser am 5. April 1944.

Weitere Informationen unter: e.o.plauen.de

Karl Walther 1905 - 1981

Karl Walther

1905 – 1981
Wie der Freund Friedrich Görtitz wurde der 15 Jahre jüngere Karl Walther in Sachsen geboren und lebte später in Seeshaupt am Starnberger See. Er war klassischer Autodidakt und studierte nur kurz an der Leipziger Akademie.

Dennoch machte sich der Spätimpressionist bereits in jungen Jahren einen Namen als Städte- und Landschaftsmaler sowie als Portraitist. Der große Durchbruch kam Mitte der 1930er Jahre, als Walther u. a. an Ausstellungen in den USA, in der Berliner Sezession und der Biennale in Venedig teilnahm.

Eduard Overhoff, 1905 - 1945

Eduard Overhoff

1905 – 1945
Auch den Lippstädter Künstler wird der Verschollenen Generation zugerechnet. Und auch er wurde wie Ohser nur 40 Jahre alt. Über seine Vita ist nur wenig bekannt, ebenso bleiben die Umstände, wo und wie sich Friedrich Görtitz und „Edu“ Overhoff kennenlernten, im Dunkeln. Der Autor recherchiert weiter und ist bemüht, diese Lücken zu schließen.